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¯yczy³bym sobie, aby¶my w obecnym stuleciu potrafili w koñcu po³±czyæ wiedzê naukow± i techniczn±, rozwiniêt± jak nigdy dot±d w historii, z umiejêtno¶ciami ludzkimi i politycznymi, które, jak na ironiê, s± najbardziej w historii zacofane. Dysponujemy wszystkimi ¶rodkami naukowymi, technicznymi i nawet finansowymi, aby wykorzeniæ biedê, g³ód, ciemnotê dotykaj±c± co najmniej po³owê mieszkañców naszej planety. Dlaczego tego nie robimy? Dlatego, ¿e brakuje nam politycznej woli, po³±czenia pragnienia i dzia³ania, ¿eby to zrobiæ.

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Podkaminer: Die Krise wird uns ernuechtern Drukuj
red.   
12.12.2011

Mit Leon Podkaminer* sprach Micha³ Sutowski

 01.09.2011 

  

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Micha³ Sutowski: Krise an den Börsen, rasende Märkte, öffentliche Verschuldung – die Wirtschaftsnachrichten verschwinden nicht von den Titelseiten der Zeitungen. Ulrich Beck ist der Meinung, dass „alle (ebenso die Experten und Politiker) in eine Welt geworfen wurden, die niemand mehr zu verstehen vermag“. Teilen Sie diese Ansicht?
  
Leon Podkaminer:
Das stimmt so nicht – es gibt zumindest einige wenige Personen, die nicht nur den Grund der ganzen Aufruhr kennen, sondern auch konkrete Lösungen für den Ausstieg aus der Krise anbieten. Zum Beispiel muss man Professor Heiner Flassbeck erwähnen, den Chefökonomen der Vereinten Nationen, zuständig für Handel und Entwicklung, sowie den ehemaligen deutschen Bundesfinanzminister Oskar Lafontaine; oder Professor Charles Goodhart, ehemals über viele Jahr hinweg  Direktor der Zentralbank Englands. Martin Wolf, sehr bekannt als Kommentator der „Financial Times“, beurteilt auch von Zeit zu Zeit den Kern der Angelegenheit.
 
Am aktivsten ist mit Sicherheit Professor Paul De Grauwe von der Universität Löwen (Belgien); ein häufig publizierender Ökonom, der z.B. für die „Financial Times“ schreibt. Er hat so einiges an politischer Erfahrung – er war unter anderem Abgeordneter im belgischen Parlament und arbeitete auch in einigen Kommissionen der Europäischen Union. Aber man kann natürlich das akademische Wissen nicht automatisch auf die politische Praxis umlegen. Desto mehr – wie man sieht – fehlt es gerade nicht an titulierten Ignoranten oder Lobbyisten die falsche Ansichten verbreiten. 
  
Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble, zweifellos ein sehr einflussreicher Politiker, kennt ebenso die Gründe der Krise. Seiner Meinung nach liegt seit dem Jahre 2008 das Hauptproblem der Unruhe „bei den übermäßigen öffentlichen Verschuldungen in allen Teilen der Welt“. Was denken Sie darüber?
  
Ich denke, dass das eine recht primitive Sichtweise ist. Das Problem wurde hier ins falsche Licht gerückt. Die öffentlichen Schulden auf der ganzen Welt sind im großen Maße die Folgen der Übernahme von privaten Schulden durch die Regierungen – diese kommen auf verschieden Wege zustande. Das eigentliche Problem der Krise ist die übermäßige Verschuldung im privaten Sektor, welche sich auf den öffentlichen Sektor übertragen hat.
  
Und woher kommen die Verschuldungen aus dem privaten Sektor?

Begründungen und Ansichten zu diesem Thema gibt es viele. Zunächst fehlt eine Aufsicht, die über die übermäßige öffentliche Liberalisierung wacht. Noch immer herrscht  in der Welt der privaten Finanzen die Eigenart „Macht das, was ihr wollt” vor. Es war sicherlich eine Neuheit, als nach der großen Krise die Finanzinstitute so stark reguliert und kontrolliert wurden. Erst in den achtziger Jahren ließ man ihnen wieder mehr durchgehen – im Rahmen der allgemeinen „Deregulierungswelle“.

Zum anderen – und hier vermute ich den tieferen Grund des Problems – verschwand mit dem Fall des Ostblocks und dem Zusammenbruch des sowjetischen Sozialismus das kommunistische Schreckgespenst der kapitalistischen Welt. Das heißt: für beinahe die gesamte Welt, eingeschlossen die Eliten der postkommunistischen Ländern, also auch die Eliten Chinas, ging dieses Schreckgespenst unter.
  
Hörte man auf, sich vor Gefahren von außen zu fürchten?
  
Ja, und lasst uns angesichts dessen „feiern“, denn „die Hölle“ gibt es nicht mehr. Das aber wiederum bedeutet ein Verstärkung des Drucks auf die Rechte der Arbeiter und damit eine Senkung der Löhne und die Abschaffung der zuvor verhandelten Absicherungen und Sozialleistungen etc. . Natürlich mit dem Ziel einer neuen Umverteilung der Löhne, von der breiten Masse der Arbeiter zu den Übrigen.

Aber hier erscheint ein Widerspruch: Um die Einkünfte zu erhöhen, bedarf es einer Massenproduktion, für die man wiederum jemanden braucht, an den man sie verkaufen kann. Aber wenn die Einkünfte in der Arbeitswelt gesenkt werden, dann fällt ebenso  die Möglichkeit des Konsums. Hier kommt dann in der Zwischenzeit ein Kredit zur Hilfe – der Finanzmarkt und die Banken ermöglichen die Fortsetzung des Konsums und retten damit die Massenproduktion. In den 1940ern, 50ern und 60ern konnte sich der Kapitalismus in relativ ausgeglichener Weise entwickeln, ohne übermäßige private Verschuldungen. Dies geschah gerade deshalb, weil – zugleich mit der Ergiebigkeit der Produktion – die Arbeitslöhne recht proportional dazu wuchsen. Als jedoch dieser Kanal austrocknete, wurde ein Ersatzkanal geschaffen. Dieser Ersatzkanal hat natürlich seine Grenzen, wie das Jahr 2008 es bewies.

Abgesehen davon, wenn von den Gründen der Krise in Europa die Rede ist, hört man zumeist etwas über die „faulen Südländer“, die auf Kosten von Krediten über ihre Verhältnisse leben, sowie auch eine neue Variante, die da lautet: der arbeitstüchtige Norden im „Kampf“ gegen den verschuldeten Süden Europas.

Die Teilung in Nord und Süd macht gar keinen Sinn, es kommt darauf an, anhand von einzelnen Personen die Geschehnisse zu prüfen. In Griechenland hatten wir es wirklich mit zahlreichen Krankheiten zutun, wie den Verfälschungen von Statistiken, Klientelpolitik oder dem Problem der Steuereintreibung. Es könnte sein, dass gerade in diesem Fall der hier vorgebrachte Stereotyp einen Teil der Wahrheit darstellt. Aber dieses Schemata trifft überhaupt nicht mehr auf Spanien zu. Dort herrschte vor der Krise ein sehr geringes Verschuldungsniveau im öffentlichen Sektor gepaart mit einem Haushaltüberschuss.

Andererseits müsste man zu jenem „Norden“ auch Irland hinzuzählen, welches sich nicht nur geografisch nördlich befindet, sondern zudem auch hohe Ausgaben hatte, aber dennoch bezüglich des Haushaltbudgets Disziplin bewahrte und zudem auch noch geringe Arbeitskosten besaß. Irland war stark wettbewerbsorientiert und geriet trotz dieser Voraussetzungen in Schwierigkeiten. Die baltischen Staaten kann man ebenso noch dazu zählen, da sie praktisch schon in der Eurozone liegen und ihre Währung sehr stark an den Euro gebunden ist. Trotz ähnlicher Lösungen wie im Falle Irlands, fielen auch die baltischen Staaten in die Schuldenkrise.
  
Wo sehen sie die Gründe dafür, dass diese Staaten in solche Schwierigkeiten gerieten?

Es kam zu einer sehr unglücklichen Verknüpfung von Ereignissen. Einige Länder haben sich unnötigerweise in die Eurozone eingliedern lassen und machten sich somit von der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank abhängig, welche für sie nicht gerade von Vorteil ist. Denn es ist eben nicht so, dass griechische Arbeiter nicht effektiv sind. Die Effektivität  eines griechischen Arbeiters wuchs sogar sehr deutlich, doch Griechenland ist eher das Opfer seiner gemeinsamen Geldpolitik.
  
Und was ist mit einem Land wie Italien? Italien hat schon seit einiger Zeit sehr hohe öffentliche Schulden.
  
Die Italiener sind in einer ähnlichen Situation wie die Griechen – zumindest wenn es um die Folgen durch einen Verbleib in der Eurozone geht. Hier aber bewahren die Italiener ihre Tradition, da sie schon seit den siebziger Jahren eine hohe Inflation haben. Früher kompensierten sie das durch eine ständige Abwertung der Lire im Verhältnisse zur Deutschen Mark. Als die Deutschen ihre Arbeitsausgaben verbesserten und einen Handelsüberschuss mit den Italienern erzielten, wertete Italien seiner Zeit die Lire ab, um ihre eigene Wettbewerbsfähigkeit etwas zu verbessern. 1970 kostete die Mark mitunter 200 Lire und 20 Jahre später kostete sie schon 1000 Lire. Mit dem Beitritt in die Eurozone verloren die Italiener diese Möglichkeit der Regulierung.
  
Sind diese Länder zu einer höheren Inflation verdammt?
  
Verdammt sicher nicht; es handelt sich einfach um eine „vererbte“ erhöhte Inflation, die man dauerhaft senken könnte, doch auch dies nur stufenweise. Nach der Einführung des Euros wurden in diesen Ländern die Tendenzen zu einer Senkung der Inflation sehr gestört. Es sanken nämlich die Zinssätze der Banken in den Ländern, durch die Anpassung an die Verhältnisse der europäischen Zentralbank, deren Zinssätze sehr niedrig waren, da diese letzten Endes ein niedriges Inflationsniveau in Deutschland berücksichtigten. Niedrige Zinssätze in Verbindung mit einer anhaltend hohen Inflation – dies war eine explosive Mischung. Das Aufrechterhalten des hohen Inflationsniveaus war der Grund für einen Boom in Griechenland, Spanien usw.

Man muss auch anmerken, dass die Zinssätze der EZB – obgleich sie sehr niedrig waren, um die Inflation in den Peripherieländern zu bremsen – davor zu hoch waren, bezogen auf Deutschland und andere Länder, die eine sehr geringe Inflation haben. Die Löhne verstärkten allein in Deutschland also eher die Tendenz zur Deflation und Stagnation. Dies äußerte sich in einer Stagnation und dem Abfall der Löhne – trotz eines imponierenden Anstiegs der Ausgaben. Im äußersten Falle begründete man dies mit einem weiteren Anstieg der Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands und mit dem anwachsenden Außenhandelsüberschüssen.
  
Kann es sein, dass die nördlichen Gesellschaften zu anspruchsvoll sind? Vielleicht übten sie einfach einen zu großen Druck auf die Lohnsteigerungen aus?
  
Oft wir davon so gesprochen: Wenn die Länder disziplinierter wären, dann könnte das den Vorsprung der Deutschen zunichtemachen. Aber Disziplin – selbst wenn sie fehlen mag – folgt nicht allein aus kulturellen Faktoren, sie ist ebenso durch die Konjunktur erzwungen und ihre objektiven ökonomischen Parameter. Ein wirtschaftlicher Boom führt keine „Lohn-Disziplin“ herbei – in Zeiten des Booms übertreffen sich die Arbeitgeber mit Angeboten für Lohnerhöhungen. In Zeiten der Stagnation und Deflation ist dies umkehrt – die Arbeitgeber versuchen die Löhne zu senken.
  
Aber vergessen wir nicht, dass von der deutschen Regierung in den letzten Jahrzehnten eine sehr aggressive Politik betrieben wurde, die aktiv den Arbeitgebern half, die Steigerung der Löhne anzuhalten oder die Löhne sogar zu senken – und das trotz gleichzeitiger Leistungssteigerung. ,,Alle Kräfte an die Exportfront!” war das Motto. Wir drücken die Nachfrage im eigenen Land, um die selbst produzierten Waren exportieren zu können und um zugleich  (indirekt) ebenso die Arbeitslosigkeit in jene Länder Europas zu exportieren, die eine schwächere Wirtschaft als die Deutschen besitzen.
  
Das ging übrigens nicht ohne Widerstand vonstatten. Die Politik Schröders (ein „Sozialdemokrat“, wie Leszek Miller einer ist) hatte in seiner eigenen Partei viele Proteste geweckt und selbst in jenem Teil der CDU, welcher sich der Idee einer sozialen Marktwirtschaft verschrieben hatte.
  
Ging es allein um soziale Gründe, die die Proteste in Gang brachten?
  
Nicht nur. Eine solche Politik erzeugte in Deutschland einen Überschuss der für die anderen europäischen Staaten eine Verschuldung bedeutete. Zudem haben die Deutschen, im Vergleich zu den anderen Ländern, durch ihre hohen Handelsüberschüsse, aktiv dazu beigetragen, dass sich die Verschuldungen in Ländern wie Griechenland, Spanien, Portugal oder Italien noch verstärkte. Diese Schulden, welche durch das Lohndumping in Deutschland entstanden sind, werden heute vor allem die Deutschen  selbst schlucken müssen.  Der deutsche Staat wird gezwungen sein, deutsche Banken zu retten, die nämlich Gläubiger von „bösen“ Schulden sind. Auf diese Weise sind die deutschen Handelsüberschüsse, die durch die privaten deutschen Firmen zustande gekommen sind, in öffentliche deutsche Schulden umgewandelt worden. Das wäre wohl selbst dem alten Hegel zu viel des Guten gewesen…
  
Könnte man sich eine Euro-Handelszone vorstellen, die nicht nur den wirtschaftlich starken Ländern zu Gute kommt?
  
Das ist eine eigenartige Quadratur des Kreises. Natürlich kennen wir Beispiele einer solchen Währungsunion, welche die unterschiedlichen Entwicklungen ihrer einzelnen Mitglieder berücksichtigt. Beispielsweise die Vereinigten Staaten, die mit einer gemeinsamen Währungspolitik und einer gemeinsamen Finanzpolitik arbeiten. Wenn bspw. der Staat New York Schulden macht, dann muss Texas, als Vermittler des Bundeshaushalts, die entsprechende Summe ausgleichen. Das Zustandekommen des Erfolgs in der Europäischen Währungsunion liegt vor allem an ihrer Transferunion, was ein Großteil der Politiker in Europa, und vor allem die in Deutschland, nicht anerkennen möchten.
  
Und diese Möglichkeit des Transfers – das heißt die „Solidarisierung der Schulden“ – bildete die Entschädigung für die Geldpolitik, welche nicht für alle zum Vorteil sein kann?
  
Ja, im Falle der USA haben wir noch Entschädigungsform, nämlich die Mobilität der Arbeitskraft. Wenn in Oklahoma eine Deflation herrscht und es im Allgemeinen nicht gut läuft, dann können sie ihre Familie samt Möbel in einen Wohnwagen setzen und z.B. nach Oregon ziehen. In Europa – vor allem durch die Kultur und nicht so sehr durch Formalitäten bedingt – ist dies nicht so einfach.
  
Und ist die Haftung des Staates für die Schulden eine notwendige Bedingung für den Erfolg der Währungsunion?
  
Nicht immer. Man kann sich auch eine Währungsunion ohne Ausgleich vorstellen, wenn diese z.B. aus Deutschland, Österreich und Holland bestehen würden. Dies sind Länder, die sich durch ihre Devisenpolitik seit den 70er Jahren gut abgestimmt haben. Der österreichische Schilling als auch der holländische Gulden waren fest mit der deutschen Mark verbunden.
  
Heißt das, dass eine Währungsangleichung in den restlichen Ländern eine Fiktion war?
  
Ich weiß ausgezeichnet, dass die Währungsunion vor allem ein politisches Projekt war und ich weiß, wie es zu ihrem Beschluss kam. Viele Ökonomen haben von Anfang an auf die Mängel in den Plänen der Währungsunion hingewiesen – u.a. Alan Walters, Wirtschaftsberater von Margret Thatcher. Er hat richtig bemerkt, dass eine gemeinsame Währungspolitik für Länder mit unterschiedlichen Veranlagungen zur Inflationsthematik zu Problemen führen wird. Länder mit einer hohen Inflation werden durch den niedrigen gemeinsamen Zinssatz vor einer noch höheren Inflation nicht bewahrt und Länder, in denen eine niedrige Inflation herrscht, würden in eine Rezension fallen. Aus diesem Grund waren einige sehr ernüchterte Ökonomen aus Amerika und Deutschland gegen eine solche Form der Währungsunion. Ebenso waren zahlreiche Stimmen zu hören, die behaupteten, dass die Stärke der deutschen Mark sich im Euro wie Zucker im Tee auflösen wird.
  
Wer hat also in diesem Fall verstärkt auf eine Währungsunion gepocht?
  
Die Franzosen wünschten sich eine gemeinsame Währung – vor allem aus politischen Gründen. Sie wollten eine stärkere Verankerung oder besser gesagt, eine Einbindung der Deutschen in Europa, deshalb war die Mission einer gemeinsamen Währungsunion von der Wiedervereinigung Deutschlands abhängig. Die politische Rechnung hätte aufgehen können, aber heute zeigt sich doch, dass Deutschland, in Hinblick auf seine wirtschaftliche und politische Kultur, es so weit treiben kann, dass andere Länder aus der Eurozone ausgeschlossen werden – was natürlich der Kohärenz der Union schaden könnte.
  
Wen könnte man als den Hauptbegünstigten der gemeinsamen Währung ansehen?
  
Auf den ersten Blick wären dies natürlich die Deutschen. Durch die Währungsunion mussten sie sich nun nicht mehr vor den Abwertungen ihrer Handelspartner fürchten und vergrößerten dadurch ihre Vorteile gegenüber der Konkurrenz.
  
Aber wenn man ein wenig länger darüber nachdenkt, dann kann man Zweifel daran haben, ob überhaupt irgendjemand davon profitiert hat. Jene Länder, die einen Boom durch die Folgen der hohen Inflation und der niedrigen Zinssätze erlebten, so wie Griechenland, Italien, Spanien oder Portugal, spucken heute Blut. Über einen längeren Zeitraum hinweg kommt ihnen eine solche Konjunktur zugute. Zum anderen brachte der hohe Zinssatz den Deutschen und den Österreichern, mit ihrer traditionell geringen Inflationsrate, eine Abflachung des Wachstums.
  
Aber die gemeinsame Währung erleichtert ihnen die Exporte.
  
Das ist wahr, aber der Gewinn aus den Exporten wurde durch den Konsumverzicht im eigenen Land erkauft. Summa sumarum ist niemand aus dem Ganzen gut herausgekommen; nicht die Länder, die importiert haben – mit dem Recht der Verschuldung – noch die exportierenden Länder, welche die Nachfrage im eigenen Land beschnitten.

Wozu in aller Welt so viel produzieren, wenn niemand konsumieren kann? Wie soll man aus dieser Notsituation herauskommen? Werden weitere Rettungspakte die Länder der EU wirklich retten?
  
Für eine kurze Zeit kann man mit diesen Mittel die Staatsschulden bekämpfen und zugleich das Wuchern der Zinsen, die auf den Schulden liegen eindämmen. Wenn aber die Kosten der Verschuldung zu hoch bleiben, dann wird kein Mittel – selbst wenn man alles auf den Kopf stellen würde – in der Lage sein diese Schulden abzuzahlen. Und das wird bedeuten, dass die deutsche Regierung gezwungen sein wird, die eigenen Banken zu retten, bei denen die meisten Länder verschuldet sind. Auf längere Sicht müssen dafür stärkere Ausgleichsmechanismen entstehen.   
  
Es gibt noch eine zweite Frage, die womöglich eine grundsätzlichere ist: Die Regulierungen auf europäischer Ebene beinhalten zwischenstaatliche Sanktionen, welche andere Länder der Eurozone zu einer Destabilisierung führen. Damit meine ich: innenpolitisch werden die Länder durch die Begrenzung der Lohnerhöhung dazu gezwungen, den Gurt enger zu schnallen, wodurch ungleiche Handelsverhältnisse entstehen. Dabei geht es um eine Harmonisierung der Handelspolitik in Europa, damit die einen Länder keine Handelsüberschüsse auf Kosten von Defiziten in anderen Ländern erzeugen. Gut, dass die Deutschen ihre Ausgaben erhöht haben – es wäre aber auch gut, wenn auf den Produktionsanstieg eine Erhöhung der Löhne folgt, sowie ein Anstieg des Konsums im eigenen Land.
  
Ich verstehe, dass es hier um  keynesianische Ideen geht, welche auf der Konferenz in Bretton Woods nicht realisiert wurden. Es ging darum jene Länder abzustrafen, die – im Vergleich zum Import – ein unverhältnismäßig hohes Exportniveau haben.
  
Im Grunde ja, obwohl es mir nicht um eine Bestrafung geht, sondern vielmehr um die Aufklärung der deutschen Eliten darüber, dass sich ein solches Handeln für sie auf  weite Sicht lohnt. Gegenwärtig sieht es so aus, dass der Konsum der deutschen Importe durch Kredite der deutschen Banken gestützt wird – mit den bekannten Effekten. Ein ähnliches Problem haben im Grunde die Chinesen. Die Chinesen haben einen gewaltigen Exportanstieg, aber ein chinesischer Arbeiter verdient sehr schlecht.
  
Bei dem letzten Kongress der Kommunistischen Partei Chinas wurde über eine „Akzentverschiebung“ zu Gunsten einer Stimulierung der inneren Nachfrage entschieden.
  
Die Chinesen sind ja nicht dumm! Aber man muss sich auch daran erinnern, dass der dortige Handel privat ist und im großen Maße sein Anliegen ist, die Löhne niedrig zu halten. 
  
Welche politischen Instrumente kann man noch an die Europäische Union anpassen? In etwa eine gemeinsame Steuerpolitik? 
  
Ja, denn z.B. die Vermarktung des Exports findet in Deutschland auch mit Hilfe seiner Steuerpolitik statt: durch Steuersenkungen und Senkung der Arbeitskosten, bei einer gleichzeitigen Erhöhung der Mehrwertsteuer, die zudem den Konsum des Endverbrauchers und den Import hemmt. Eine gemeinsame Lösung der Steuerfrage könnte zweifellos das Ungleichgewicht aufheben und den unlauteren Steuer- und Lohnwettbewerb zwischen den Ländern eingrenzen.
  
Und wie bewerten Sie die Einführung der EU-Anleihe als Instrument der Solidarisierung der europäischen Staaten?
  
Die Idee ist es wert, ihr zuzustimmen, wenn auch alles davon abhängt, ob diese Anleihen Vertrauen erwecken werden und mit welchen Mitteln dieses Vertrauen aufgebaut wird. Die Vernünftigste Idee wäre eine Änderung der Verfassung der Europäischen Zentralbank, welche einen Aufkauf etwaiger Staatsanleihen ohne Genehmigung durch die Politik erlauben würde. Die Garantie von Seiten der EZB, dass alle Schulden zurück gezahlt werden, würde demnach automatisch eine Senkung der Zinsen dieser Schulden bewirken. Ein gutes Bespiel dafür ist Japan, ein Staat der um 200 bis 250 Prozent seines Bruttoinlandsproduktes verschuldet ist. Die japanischen Schulden sind mit weniger als einem Prozent verzinst! Aber dies sind Schulden, die durch die Japanische Zentralbank versichert werden, welche sich nicht davor ziert, nach Wunsch des Finanzministeriums „Geld zu drucken“.
  
Und was ist mit dem Argument, dass dadurch eine Inflation droht?
  
In Japan herrscht schon seit ungefähr zehn Jahren eine Deflation. Es gibt überhaupt keine automatische Verbindung zwischen den öffentlichen Schulden, dem Defizit und der Höhe der Inflation. Man kann ein gigantisches Defizit besitzen und zugleich eine Deflation. Man kann eine Hyperinflation haben bei gleichzeitiger Erhöhung des Haushalts. War dies nicht z.B. die Erfahrung in der Zeit der Volksrepublik Polen und des frühen Balcerowicz? Der Haushalt war ausgeglichen, freilich! Aber die Preise wechselten rasch.
  
Und was ist mit dem Problem der Verschuldung auf Kosten der kommenden Generationen?
  
Vielleicht werden die kommenden Generationen bei uns Schulden machen, da sie eine Infrastruktur nutzen werden die von Haushaltgeldern errichtet wurde? Sie werden Straßen, Schienen, Bildungseinrichtungen, Krankenversicherung von uns erben… Sie erhalten von uns Bildung und einen gesunden finanziellen Verzicht der derzeit aktiven Generation. Das ist wohl mehr wert als die ererbten Schulden.
  
Aber die heute erlaubten Gedanken über Koordinierung, Harmonisierung, kollektiver Solidarität und Wirtschaftsordnungen setzen sich zusammen aus einer eng geschnürten und disziplinierten Haushaltspolitik und der Notwendigkeit eines raschen Schuldenabbaus.
  
Exakt! Vorschläge, die sich auf der politischen Agenda befinden versprechen einen weiteren Stabilitäts- und Wachstumspakt, mit Hilfe dessen man bis jetzt vergebens versuchte die Euro-Handelszone  zu harmonisieren. Zu allererst müsste man den Leuten wieder die Köpfe rein waschen und das ist kein leichter Prozess. Ich glaube jedoch, dass die Krise, welche erst auf uns zukommen wird und welche schrecklich sein wird – weil wir kein gutes Konzept der Wirtschaftsregulierung in dieser Situation haben – die Elite ernüchtern wird.
  

Aus dem dreckigen Schaum der Krise aus dem Jahre 1929 kamen einst Köpfe wie Keynes und Roosevelt zum Vorschein, denen es gelang, der Welt über drei, vier Dekaden einen anständigen Kapitalismus zu gewährleisten. Ich habe die Hoffnung, dass nach der Erschütterung, welche ohne Zweifel sich ereignen wird, neue Persönlichkeiten enthüllt werden und dass die Leute von den alten Dogmen befreit sein werden; den Dogmen der „rationalen Erwartungen“ und der „effektiven Märkte“.
  
*Leon Podkaminer – ist Wirtschaftsprofessor und arbeitet im Wiener Institut für internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW). 

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