Biografia Krzywonos
KP22: prze-moc
Komentarze
CYTAT DNIA
Godzina słynna: piąta pięć
Naciska budzik, dźwiga się
Do kuchni drogę zna na pamięć
Prowadzą go tam nogi same
Pod kran pakuje śpiący łeb
Przez chwilę jeszcze śpi jak w łóżku
Dopóki nie posłyszy plusku
I wtedy wreszcie budzi się
Aniele Pracy - stróżu mój
Jak ciężki robotnika znój
Zbożowa kawa, smalec, chleb
Salceson czasem, kiedy jest
Do teczki drugie pcha śniadanie
I teraz szybko na przystanek
W tramwaju tłok i nie ma Boga
Jest ramię w ramię, w nogę noga
Kimanie na stojąco jest
Aniele Pracy - stróżu mój
Jak ciężki robotnika znój
Przez osiem godzin praca wre
Jak z bicza strzelił minął dzień
Już w domu siedzi przed ekranem
Na stole flaszka z marcepanem
Dziś cały czas w ataku nasi
Aniele Pracy - stróżu mój
Jak ciężki robotnika znój
Nich nas ukoi dobry sen
Najlepsza w końcu jest to rzecz
I co się śni? Podwyżka cen
Aniele Pracy - stróżu mój
Jak ciężki robotnika znój
Edward Stachura, Piosenka dla robotnika rannej zmiany
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Die junge Generation gehört uns |
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Stefanie Peter (FAZ)
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16.09.2007 |
Für polnische Journalisten gab es in diesem Jahr nun wirklich kein
Sommerloch. Der jüngsten Topmeldung - vorgezogene Parlamentswahlen im
Herbst - war schließlich ein politisches Dauertheater vorangegangen, in
dem sich die Zwillinge an der Macht zumindest als glänzende Unterhalter
entpuppt hatten. Könnte man meinen. Nicht alle schauen aber gebannt auf
die Tagespolitik und fiebern nun den Wahlen entgegen. Slawomir
Sierakowski, Chefredakteur der Zeitschrift „Krytyka Polityczna” (Politische Kritik), winkt, auf die Kaczynskis angesprochen, ab. Die
seien schließlich nur die falsche Antwort auf die richtige Frage und im
Grunde kaum der Rede wert.
Ob nun nämlich diese oder andere Populisten mit dem Elend der Leute auf
Stimmenfang gehen, spielt für Sierakowski keine Rolle. Die eigentlichen
Probleme des Landes sind strukturell und daher von grundsätzlicherer
Art. Und sie liegen wohl dort, wo sie, vom Ausland aus betrachtet,
vielleicht nicht vermutet werden. Ein Bevölkerungsanteil von rund
sechzig Prozent gilt als sozial bedürftig, wobei die massive Armut in
der Öffentlichkeit weitgehend totgeschwiegen wird. Und wer mit einer
sinkenden Arbeitslosenquote wirbt, kaschiert damit nur, dass zwei
Millionen Polen bereits aus wirtschaftlichen Gründen ausgewandert sind.
Sierakowski nennt dies eine Form von Kannibalismus: ein Land, das sich
sozialer Probleme dadurch entledigen will, dass es seine Bürger einfach
wegschickt, ist in seinen Augen ein barbarisches Land. Wer ist dieser
Slawomir Sierakowski, der so schnell denken und klar reden kann? Nicht
wenige, die den charismatischen Siebenundzwanzigjährigen in öffentlichen Diskussionsrunden oder in Fernsehdebatten erlebt haben,
sind überzeugt: Hier spricht ein künftiger Premierminister. Und doch
ist Sierakowski zumindest im Moment noch weit davon entfernt, Mitglied
einer existierenden Partei zu werden oder eine neue zu gründen. Ihm und
seinen Mitstreitern bei „Krytyka Polityczna” geht es zunächst einmal um
die grundlegende Formierung einer linken Bewegung und um die Schärfung einer Sprache, die es erlaubt, die drängenden Probleme seines Landes zu benennen und zu durchdenken.
Dass man dabei gleichsam bei null anzufangen gedenkt, beweist eine rote
Fibel, ein signalrotes Taschenbuch, das Sierakowski nun auf den Markt
gebracht hat. „Krytyka Politycznas Leitfaden der Linken”, so der Titel
dieses ganz und gar nicht ironisch gemeinten Büchleins, dessen Umschlag
von einem weißen Netzstecker samt Kabel geziert wird. „Stöpsel dich ein
in den Diskurs und häng dich rein in unser Netz” ruft es den
potentiellen Lesern zu. Anhand von Infografiken und Tabellen erklärt es
die Anliegen seiner Verfasser und erläutert zugleich gesellschaftliche
und ökonomische Entwicklungen und die Funktionsweisen staatlicher
Institutionen. Ein FAQ am Ende eines jeden Kapitels nimmt zu
verbreiteten Vorurteilen und Fragen Stellung: Vernichtet die EU unsere nationale Identität? Ist Kommunismus so schlimm wie
Nationalsozialismus? Wollen die Ökologen, dass wir wieder in Höhlen
leben? Will der Feminismus das Matriarchat einführen? - die
Auseinandersetzung mit derart schlichten Ängsten ist auch eine antielitäre Geste. Man bemüht sich, die Leute, wie man hierzulande wohl sagen würde, dort abzuholen, wo sie sind.
Zur Strategie der Gruppe gehört aber auch, dass sie die offene
Auseinandersetzung mit der polnischen Rechten sucht. Diesem Thema
widmete die Zeitschrift ihr aktuelles Heft, und oft schon waren
führende Konservative in die Redaktionsräume zur Diskussion geladen.
Die gemeinsame Gesprächsgrundlage, die Sierakowski dabei mit der
Rechten hat, resultiert auch aus der Reibungsfläche, die derzeit für
alle, die überhaupt zu einer Wertediskussion bereit sind, dieselbe ist.
Während nämlich der freie Markt nur seine eigenen Gesetze kennt und mit
den Themen Nation, Kirche und Familie genau so bereitwillig gute
Geschäfte macht wie mit der noch jungen Schwulenbewegung, sieht
Sierakowski all diese Themen in Gefahr, zu bedeutungslosen Hüllen zu
verkommen, die von populistischen Politikern nach Gutdünken
instrumentalisiert werden können. Zwischen der, wie er sagt, „kalten Sprache” des Marktes und der „heißen Sprache” nationalistischer
Traditionalisten, die zuletzt das Bild Polens im Ausland bestimmten,
ist er folglich auf der Suche nach einem neuen analytischen Denken. Und
wenn dieses auch an einer Lektüre weithin verfemter marxistischer
Grundlagentexte geschult werden soll, ist das noch lange kein
Heimfindungsversuch in den warmen Schoß volksrepublikanischer Nostalgie.
Anstelle eines buchstäblichen Kommunismus orientiert sich die Gruppe
viel mehr am Ideal einer sozialen und antinationalistischen
Zivilgesellschaft, die sich dezidiert zu Europa, ökologischem
Bewusstsein, der Freiheit von Minderheiten bekennt und damit bestens
anschlussfähig ist für den Mainstream einer europäischen
Sozialdemokratie der alten Schule. Und sie stellt diesen Anschluss
gezielt her: So brachte „Krytyka Polityczna” im Oktober 2003 einen
offenen Brief in Umlauf, der sich gegen die polnischen Blockierer der
Europäischen Verfassung richtete und damals von den wichtigsten
Intellektuellen der jüngeren Generation unterzeichnet wurde. Das
Schreiben erschien in den großen polnischen Blättern, aber eben auch im
Ausland, unter anderem in dieser Zeitung.
Slawomir Sierakowski, der zwischenzeitlich als Doktorand des deutschen
Soziologen Ulrich Beck in München gearbeitet hat, versucht die
polnischen Debatten systematisch auf ein internationales Denken hin zu
öffnen. Zu diesem Zweck versammelt eine Buchreihe seiner Zeitschrift
seit einigen Jahren prominente Vertreter der gegenwärtigen Philosophie und Kulturwissenschaften: Slavoj Zizek, Alain Badiou, Giorgio Agamben,
Judith Butler und Jacques Derrida - sie alle wurden hier ins Polnische
übersetzt. Die im Zentrum der Warschauer Innenstadt gelegene Redaktion
ist längst zu einer außeruniversitären Bildungseinrichtung geworden, in
der über Erinnerungspolitik, Kreationismus und Gentechnologie, über
Marx und Foucault diskutiert wird. Eine Art Volkshochschule auf hohem
Niveau, die die kritischen Geister einer jungen und zudem
geburtenstarken Generation beflügeln soll.
Diese Generation, sagt Sierakowski, gehört uns. Und während die Rechten
aus einem historisch fundierten Nationalismus schöpfen, besetzen die
jungen Linken die Kultur. Wilhelm Sasnal und Artur Zmijewski sind enge
Mitstreiter Sierakowskis - der eine ist der derzeit am höchsten
gehandelte polnische Maler, der andere umstrittener Videoprovokateur
und gerade auf der documenta vertreten. Wenn „Krytyka Polityczna” also
etwa Pasolinis unverfilmtes Drehbuch über den Apostel Paulus
publiziert, wird der Text durch Sasnals Illustrationen auch für den
Kunstbetrieb interessant, Zmijewski ist so etwas wie der Artdirector
der Zeitschrift. In der polnischen Kulturszene ist Sierakowski längst
selbst zu einer schillernden Figur geworden. Als kettenrauchender
Bohemien oder ausgesprochener Frauentyp hat er mittlerweile bereits in
vier Romanen einen Cameoauftritt, unter anderem in dem jüngsten
Rap-Epos der jungen Bestsellerautorin Dorota Maslowska, „Die
Reiherkönigin”. Die umstrittene Autorin soll auch einen festen Platz in
einer regelmäßigen Livesendung haben, die Sierakowski im
öffentlich-rechtlichen Fernsehen bekommen soll. Noch ist allerdings
nicht sicher, wann die Sendung, die in Polen die teuerste ihrer Art
werden würde, ins Programm genommen wird.
Sierakowski, so viel ist sicher, ist auch ein Virtuose auf der
Klaviatur der öffentlichen Selbstdarstellung. Ob er eine Streikzeitung
für protestierende Krankenschwestern produziert, die vor dem Amtssitz
des Ministerpräsidenten ihr Zeltlager aufgeschlagen haben, ob er in
Filmen ausländischer Regisseure auftritt oder mit Zizek über Lenin
diskutiert - die Szene nennt ihn bereits den neuen Adam Michnik oder
auch einfach nur „Premier”. Und Sierakowski weiß genau um die
Strahlkraft seiner Szene, die viele andere so alt aussehen lässt.
Wissen Sie eigentlich, was die am meisten ärgert, fragt er, und zündet sich eine Zigarette an: Wir haben Sex.
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.08.2007 , Nr. 188, S. 37
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Aktualizacja ( 16.09.2007 )
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